Keine Zeit zum Kochen
Sind Fix-Produkte eine Alternative ?

Bestimmt kennt ihr sie alle: Diese kleinen Tüten mit den ansprechenden Fotos drauf, die uns versprechen, dass wir ohne viel Aufwand in kurzer Zeit ein leckeres Essen auf den Tisch bringen können. In vielen Haushalten sind die Tüten mit dem Pulver zum Anrühren mittlerweile selbstverständlich. Aber schmeckt das, was aus der Tüte kommt auch und kann es mit frisch Gekochtem mithalten?

Ich mache heute für euch den Test: Tütensuppe gegen frisch gekochte Suppe.

 

Der Klassiker im Herbst: die Kürbissuppe

Für die Kürbissuppe habe ich mich entschieden, weil sie perfekt zur Saison passt, aber auch weil sie recht einfach in der Zubereitung ist. Eigentlich ideal für die schnelle Frischkoch-Küche. Für den Vergleich zu meiner frisch gekochten Suppe habe ich eine Tütensuppe von Knorr ausgewählt. Diese war im Vergleich zu den anderen Kürbissuppen die teuerste. Nun will ich natürlich wissen, ob sich der Kauf lohnt, wenn es wirklich mal schnell gehen soll.

 

Die Zutaten

Die Tütensuppe enthält in Pulverform: Kartoffeln, Kürbis, Magermilchpulver, Stärke, Zucker, Meersalz, Gemüsemais, Karottensaft, Erbsen, Röstzwiebel, natives Olivenöl extra, Knoblauch, Kurkuma, Zitronensaft, Muskatnuss, Ingwer, Speisesalz, Paprika, Pfeffer.

Hier stelle ich mir gleich folgende Fragen: Welche chemischen und physikalischen Vorgänge sind notwendig um frische Zutaten in Pulverform zu bringen? Was tun Magermilchpulver, Stärke, Zucker, Zitronensaft, Mais und Erbsen in einer Kürbissuppe?

Thema versteckter Zucker: Der Suppe wurde Zucker zugesetzt. Wenn ich eine Portion (250 ml) dieser Suppe esse, habe ich auch gleichzeitig fast 3 Stückchen Würfelzucker zu mir genommen.

In meiner frischen Suppe werden folgende Zutaten verarbeitet: Kürbis, Kartoffeln, Karotten, Zwiebeln, Kokosmilch/ Sahne, Ingwer, Wasser, Salz, selbstgemachte Gemüsebrühe (Staudensellerie, Karotten, Zwiebeln, Tomaten, Zucchini, Knoblauch, Champignons, Lorbeerblatt, Basilikum, Petersilie, Salbei, Rosmarin, Salz, trockener Weißwein, natives Olivenöl, Parmesan)

 

Zubereitung

blog 10 2017 02Die Zubereitung der Tütensuppe ist wirklich einfach. Tüte aufreißen, Pulver in kaltes Wasser einrühren, aufkochen und dann 5 Min. köcheln lassen, zwischendurch umrühren - fertig. Das Foto auf der Tüte zeigt eine appetitmachende Suppe mit Kürbisstückchen. Die von mir zubereitete Tütensuppe sieht nicht so appetitlich aus und auch die Kürbisstückchen suche ich vergebens.

 

blog 10 2017 03Für meine selbstgemachte Suppe muss ich die Zutaten erst vorbereiten: waschen, teilweise schälen, Kürbis aushöhlen, alles zerkleinern, dann andünsten, köcheln lassen, rühren, pürieren und abschmecken. Das dauert zwar etwas länger, eine wirkliche Herausforderung ist das aber nicht. Trotzdem, was den Zeitaufwand angeht, punktetet die Tütensuppe. Mit Vorbereitung und Kochzeit benötige ich für meine Suppe etwa 35 Minuten, während für die Tütensuppe nur etwa 6 Minuten nötig sind.

 

Geruchstest

blog 10 2017 04Wonach die Tütensuppe riecht, kann ich gar nicht sagen, da es sich um einen Geruch handelt, der bei mir nicht abgespeichert ist. Auf jeden Fall riecht hier nix nach „100% natürlichen Zutaten“, wie es auf der Tüte steht. Kürbisaroma kann ich nicht erkennen. Den Geruch empfinde ich als eher unangenehm, irgendwie auch bitter.

Die selbstgemachte Suppe hingegen duftet appetitanregend nach Kürbis, Ingwer und Kokos Ich habe 2 Varianten zubereitet: eine Hälfte mit zusätzlich etwas Sahne, die andere mit 50 ml Kokosmilch. Beide Suppen duften auch wirklich nach Kürbissuppe und machen Appetit auf mehr.

 

Der Geschmackstest

blog 10 2017 05Verkostet werden die Suppen von mir und 4 Freiwilligen. Die Teilnehmer wissen nicht, welche Suppe sie probieren. Das Ergebnis des Geschmackstests: Die Kürbissuppe mit der Sahne schmeckt allen Testern. Die Suppe mit Kokosmilch fällt bei einer Person durch, die kein Kokos mag. Die Tütensuppe finden alle Tester ungenießbar. Ich glaube, bei einer Blindverkostung würden die meisten gar nicht darauf kommen, dass sie gerade eine Kürbissuppe verkosten. Sie schmeckt etwas bitter und weder „Natürlich lecker“ - wie es auf der Tüte steht, noch irgendwie nach Kürbis. In diesem Fall betrachte ich es daher nicht als Lebensmittelverschwendung, wenn die Suppe im Ausguss verschwindet.

 

Der Preis

Für die Tütensuppe habe ich 1,49 € bezahlt. Der Inhalt soll für 2 Portionen a` 250 ml reichen.

Meine Zutaten schlagen mit etwa 3,90 € zu Buche. Allerdings bekomme ich dafür ca. 1900 ml an Suppe heraus. Nicht zu vergessen, dass ich dafür alles Bio Zutaten verwendet habe. 500 ml meiner Suppe kosten etwa 1,00 €. Das hochwertigere Produkt schneidet im Vergleich also viel günstiger ab.

 

Kürbissuppe aus der Tüte unter der Lupe

blog 10 2017 06Der Hersteller wirbt auf der Tüte mit: 100% natürlichen Zutaten. Auch das Foto suggeriert dem Verbraucher, frische natürliche Zutaten. Aber das ist wohl eine Frage der Interpretation. Denn was ist an Magermilchpulver, Kürbispulver, Karottensaftpulver, Erbsenpulver oder Zitronensaftpulver usw. noch natürlich? Die Zutaten wurden so stark verarbeitet, dass sie mit dem Ursprungsprodukt nicht mehr viel zu tun haben. Geschmacklich kann das Pulver keinesfalls mit frischen Zutaten mithalten. Durch die starke Verarbeitung der Ursprungsprodukte gehen zudem noch wertvolle Inhaltsstoffe verloren. Ich finde die Bezeichnung „100% natürliche Zutaten“ in diesem Fall absolut irreführend.

 

Fazit

In Bezug auf Zeitersparnis kann die Tütensuppe zwar punkten, was Inhaltstoffe, Geschmack und Preis angeht, kann sie aber mit der frischen Suppe absolut nicht mithalten. Wer auf eine gesunde, schmackhafte und vitalstoffreiche Ernährung Wert legt, kocht besser selbst, auch wenn es etwas aufwendiger ist. Die Suppe kann gut vorbereitet und auch eingefroren werden.

Mit einer Scheibe Brot (am besten selbstgebacken) ist sie auf jeden Fall eine vollwertige, sättigende Mahlzeit.

Ihr wollt die Kürbissuppe aus dem Test nachkochen? Hier ist mein Rezept:

 

Kürbissuppe

blog 10 2017 07Zutaten:

1 Hokkaido Kürbis
2 Zwiebeln
2 Karotten
4 Kartoffeln
0,5- 1 L Gemüsebrühe (je nach Kürbismenge und gewünschter Konsistenz; zunächst weniger Wasser zugeben und dann je nach gewünschter Konsistenz noch mehr)
4 cm frische Ingwerwurzel
ca. 50 ml Kokosmilch oder Sahne (optional)


Zubereitung:

  • Zwiebeln grob würfeln
  • Karotten in etwa 1cm dicke Scheiben schneiden
  • Kartoffeln schälen, in grobe Stücke schneiden
  • Zwiebeln und Karotten in Olivenöl etwas anschwitzen, dann Kartoffeln zugeben
  • Kürbis waschen (nicht schälen), halbieren und die Kerne mit einem Esslöffel ausschaben (geht ganz einfach)
  • den Kürbis grob zerkleinern und zum Gemüse geben, mit der Gemüsebrühe aufgießen und etwa 20 Min. weich köcheln
  • Ingwer schälen, reiben und zugeben, alles fein pürieren
  • optional 50 ml Kokosmilch oder Sahne zugeben (schmeckt aber auch ohne)
  • evtl. noch etwas salzen
GUTEN APPETIT

Ines Graßl - Genusswerkstatt

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